18 Hund

 

Ich bin traurig. Die Frühlingssonne scheint warm in mein Auto. Links über mir sitzt eine Amsel auf einem dicken Ast. Ihr gelber Schnabel macht mich eigenartig ruhig. Im Baum vor mir springt ein Eichhörnchen frech und fröhlich durchs Geäst. Doch mein Herz ist schwer.

 

Meine Jacky wird gerade operiert. Am linken Vorderlauf.

Zum zweiten Mal in einem Jahr. Mastzellentumor. 

 

Ich sitze im Auto vor der Tierarztpraxis. Das Leben ist schön und warm. Doch ich bin irgendwie gerade nicht dabei. Ich bin bei meiner Jacky. Ich weiss, sie gehört mir nicht. Sie ist mir anvertraut, so wie ich ihr. Doch lehrt sie mich so Vieles. Fast acht Jahre begleitet sie mich auf meinen Wegen und meistens gibt sie Gas. Immer gibt sie Liebe. Sie hat mich erobert. Ich überlege gerade , ob ich jemals einen Menschen so nahe an mich herangelassen habe, wie dieses wunderbare Wesen. 

Ich hoffe nicht, ich bange nicht. Ich bin einfach traurig. Hier im Auto spüre ich ihr Herzchen schlagen und ich fühle ihren sanften Atem. Ich weiss, dass alles richtig ist.  Und eine Meise fliegt frohgemut vorbei.

Ich weiss, dass ich durch Jacky reich geworden bin und das sie ewig ist. So wie ich.

Ich bin traurig. Tränen fliessen, meine Nase läuft. Ich ziehe die hoch. Ich habe keine Lust auf Taschentücher. Vielleicht schlafe ich jetzt ein bisschen im Auto vor der Tierarztpraxis, dann bin ich meiner Jacky nah.

 

Mittlerweile sitze ich auf dem warmen Kopfsteinpflaster vor der Praxis. Ich könnte zum Fenster laufen und in den Op-Saal schauen. Doch was würde ich dort sehen? Eine narkotisierte Jacky, die für mich leblos wirken würde. Nein. Ich bleibe hier sitzen. Ich stelle mir vor, wie ich den kleinen malträtierten Tennisball für Jacky werfe, den sie so sehr liebt. Er sieht aus – wie eine fast geschälte Kastanie, die restliche gelbe Hülle hängt nur noch in Fetzen am braunen Kern. Jacky hat den Ball nicht kaputt gemacht. Wir fanden ihn so im Wald. Sie liebt diesen Ball. Ich würde ihn nicht wegwerfen, wenn er auseinander fällt.

Wenn ich mich recht erinnere, hat Jacky in ihrem Leben nur dreimal etwas kaputt gemacht. Ihr erstes Plüschtier. Das höhlte sie aus. Ein Paar meiner geliebten High Heels. Die schmeckten ihr besonders gut. Und eine karierte Sporttasche, bei der sie genüsslich die Henkel zerkaute. Damals war sie noch ein Welpe. 

Danach hat Jacky nichts kaputtgemacht und nichts umgeworfen. Sie ist ein extrem aufmerksamer Hund. Wenn etwas auf meinen Couchtisch fällt, den sie durchaus im Sprung erreichen könnte, dann bittet sie mich um Hilfe. Ich weiß nicht, woher sie diese sanfte Höflichkeit hat. Ich weiß, dass sie wie mein Schatten ist. Sie folgt mir auf Schritt und Tritt, aufs Klo, in den Keller, aufs Bett und in die Küche sowieso. Sie wartet vor der Dusche.

Jacky frisst für ihr Leben gern. Wie ein Scheunendrescher. ich glaube sie spiegelt mir meine Modesucht mit ihrem Fressverhalten.

Jacky schließt vorsichtig Kontakt zu anderen Menschen. Sie ist zurückhaltend, manchmal schüchtern in ihrer Art. Ängstlich auch. Doch über allem liegt diese große Freundlichkeit. Sie ist so mutig und freundlich und niemals verstimmt. Ich habe Jacky schon nachdenklich erlebt und müde. Schlechte Laune hatte sie nie. Sie ist so voller Lebenslust, Dankbarkeit und Energie. Ungeduldig ist sie. Abends bekommt sie 18.00 ihr Futter. Sie bettelt immer schon um 17.30 Uhr. Manchmal setzt sie ihre Stimme ein, als würde sie singen. Und dann ist da dieser Hundeblick. Sie hypnotisiert mich täglich. Sorgen schmelzen wie Eis, wenn sie mich ansieht. Falls ich mal schlechte Laune habe, tritt sie mir in den Hintern. Und das macht sie genau so. Sie springt mir in den Hintern und bringt mich so aus jedem noch so trüben Rhythmus.

Jacky liebt elektrische Zahnbürsten. Sobald sie in aller Herrgottsfrühe das vertraute Surren hört, erscheint sie im Bad, um mit mir Zähne zu putzen. Und sie fährt gerne Auto. Als ich sie vor 7,5 Jahren, 16 Wochen alt aus Teplice mitnahm, zitterte sie am ganzen Leib, als sie zum ersten Mal in einem Auto fuhr. Mein Freund saß am Steuer, ich hatte Jacky im Arm. Sie zitterte drei Stunden, sie fand keine Ruhe. Irgendwann – nach fünfstündiger Fahrt kroch sie an mir hoch und legte sich quer über meinen Hals. Ich weiß nicht, ob mein Puls sie beruhigte oder mein Atem, doch in diesem Moment war sie bei mir angekommen. Seither will sie in jedes geöffnete Auto springen. Sie liebt es, Auto zu fahren. Manchmal, wenn es strak regnet und gewittert (Jacky ängstigt sich dann), leitet sie mich zur Garage und animiert mich, mit ihr Auto zu fahren. Ich nehme an, das sie von einem Faradayschen Käfig noch nie etwas gehört hat. Doch ich fahre dann Auto, weil es sie beruhigt.  

 

Es ist so idyllisch hier. Die Vögel pfeifen, sie zwitschern nicht. Die Sonne kriecht durch meine Kleider, so, als will sie mich für sich erwärmen.  Der Wind – mein Freund – weht sanft. Das Leben tröstet mich. In den Ritzen der Pflastersteine vegetiert es satt. Die Lücken, die zwischen den Kopfsteinen entstanden sind, erinnern mich an Manhattens Straßen. Quadratisch, praktisch, gut. Nur hier, wo ich jetzt bin, sind sie üppig grün, mit dicken fleischigen Blättern, weich wie englischer Rasen. Sie erinnern an botanische Gärten, kunstvoll angelegt. Ich beuge meinen Kopf nach unten, betrachte sie aus nächster Nähe. Ameisen sausen emsig hin und her. Kleine gelbe Käfer, die mich an Blattläuse erinnern, benutzen den Grashalm als Rutschbahn. Sie haben heute Ausflug in den Europapark. Kleine, zartblaue Blümelein bringen mich dazu, an Vergissmeinnicht zu denken. Und wieder bin ich bei Jacky. 

 

Der Tag ist zu schön, als dass ihr etwas zustoßen könnte. Dieser Tag ist eindeutig so wie sie.

Zwischen den Steinen existiert eine eigene kleine Welt. Ist unsere Welt – relativ betrachtet – nicht genauso klein? Von einem anderen Sonnensystem aus beäugt? Sind wir wie Ameisen für eine andere Existenz? Adrette, gut situierte, unwissende Ameisen? Beim Marathon zum nächsten Ziel? 

Und ich? Eine Ameise mit Hund – mit roter Leine? Hier, vor mir, zwischen den Steinen kann ich keine Ameise mit Hund erkennen. Aber vielleicht wird der ja auch gerade operiert?

Ich weiss es nicht.

Ich bin ganz ruhig im Moment. So als würde mein Verstand mit meiner Jacky schlafen.

Die Sonne scheint warm. Und der Wind streichelt die losen Strähnen in meinem Haar.

 

Es fällt mir nicht leicht, nach dieser Geschichte etwas anzuhängen. Meiner Jacky geht es schon lange wieder gut. Ausser einer Narbe ist nichts zurückgeblieben.

Wenn Jacky als Hund in meinem Lenormand erscheint, dann hast Du einen echten Freund zur Seite. Einen, der Dir wie ein Schatten folgt, einen der Dich fühlt, wenn Du ihn brauchst.

Auch Ur- und Selbstvertrauen zeigt diese Karte an. Die umliegenden Karten zeigen, ob dieses Vertrauen stark oder schwach zu Buche schlägt.

 

Auf gute Freundschaft, auf Vertrauen, Deine Margret

Assoziationen zum Hund

Freundschaft  Vertrauen  Treue   Begleiter  Zuverlässigkeit  Zuneigung  Wache  Schutz   Freude  Freunde  Kontrolle  Instinkt  Spürsinn  Intuition

 

 

Kombinationen mit dem Hund

Hier entstehen bis zum September 2019 alle Kartenkombinationen vom Hund mit allen anderen Karten. Da ich gleichzeitig an allen 42 Karten abwechselnd arbeite, dauert das so seine Zeit.

Hast Du eine bessere Kombinations-Idee? Dann immer her damit.

Monatlich verlose ich 3 Kartensets meines Blooming Lenormand, für die originellsten Kombinationsvorschläge. Besuche doch meinen Blog unter der Rubrik: Angerichtet: Blooming Lenormand. Und hinterlasse deinen Kommentar. Viel Vergnügen, Deine Margret