4 – Das HAUS

 

Orte sind an mir vorbeigezogen, aufgereiht an einer Schnur - wie Running Sushi. Kurz über lang war ich dort zu Hause. Ich renovierte sie, baute sie um, malte ihnen mein Tattoo auf, gab ihnen meinen Atem, mein Hier und Jetzt, meine Erinnerung.

Manchmal wohnte ich beengt, manchmal luxuriös und weit. Wie eine Königin. Alleine, zu zweit und in Kommune – ich hab so manches ausprobiert.

Vier Wände und ein Dach. Höhle der Moderne. Das nannte ich zu Hause. Schutz vor Regen, Kälte, Blitz und Donner. Schutz vor Ungemütlichkeit. Schutz vor Übergriffen. Vor Gefahr. So dachte ich einmal. In Mein und Dein. Geregelt durch die Eingangstür. Ein Namensschild, ein Multi-Lock. Mein Haus, mein Bett, meine Stromabrechnung. Definiert an einem Ort. Mit einem Straßenschild: Virchowstraße, Hainweg, Auf der Eierwiese, Uitikonerstraße,  Siebenbürgenstraße, Tannenberg, Florastraße, Im Langwil. 

Orte mit einer Nummer und meinem Namen an der Tür. Doch was macht ein Haus zum „zu Hause“? Zu Heimat? An welchem Ort schlägt meine Seele Wurzeln?

Menschen waren es, die mir Heimat gaben, und manchmal fühlte ich mich in ihrer Mitte so allein. 

Bei meiner Oma nicht. Sie war Heimat in Person. Bei ihr war Sonne im Quadrat. Mit ihr war stets gut Kirschen essen. Auch Sauerkirschen. In ihrer Einraumwohnung fühlte sich mein Leben sicher an. Und warm. Und voller Güte. Randvoll Frieden: in jeder Ecke lag er auf der Lauer, fand sich in jedem Staubkorn und in ihrem vollen Busen, an den sie mich oft drückte. Im Dufte ihres Hammelbratens, den ich liebte, so – wie ihr stets volles, blondes Haar. Sie war mir Heimat im Asyl. Flüchtlingslager, Lazaret, Kapelle, Schneckenhaus, Zufluchtsort.

Nun trage ich mein Haus in meinem Herzen. Sicherheit, die mich überall begleitet. Frieden – der sich auf alte Wunden legt.

Solch ein zu Hause wünsch ich Dir. Unabhängig von Koordinaten. Ich wünsche Dir Frieden, der sich um Deine Schultern legt, wie ein Mantel, den Du immer sicher hast. Der Dich umfängt, begrüßt, nach einer langen, anspruchsvollen Reise. So ist dieses Haus. Heilige Hallen Deiner Persönlichkeit. Boudoir Deiner Seele. Veränderst Du Dich, verändert es sich mit. Farben ziehen ein und aus. Du dekorierst, Du schmückst, Du passt es an. Du mistest aus. 

Es zeigt Dir, wo Dein Leben nach Struktur, Stabilität verlangt und lädt Dich dazu ein. Selbstvertrauen zieht in Deinen Wänden ein, Zugehörigkeit und Eintracht in Deinem Herzen. Dann bist Du überall zu Hause, weil Heimat in der Seele wächst.