Der Tanz aus Nähe und Distanz

Seelenpartner-Beziehungen sind herausfordernd. Meist rennt einer weg, der andere klammert. 

Aus diesem Grund habe ich die Dualseelendiät erfunden. Du lernst, das wegzulassen, was Deiner Entwicklung schadet. Du lernst, das zu integrieren, was Deiner Entwicklung dienlich ist.

Und hinterher ist Dein schweres Herz ein paar Kilo leichter. Du hast an Kummer abgespeckt.

Klingt gut. Schmeckt besser!

 

Was Du dringend brauchst, um die DSD (Dualseelen-Diät) erfolgreich durchzuziehen,

ist eine große Prise Selbstbeherrschung. Ich werde Dich immer wieder daran erinnern, damit sie richtig schmackhaft wird, damit Du Appetit bekommst, damit Du sie Dir herzhaft einverleibst.

 

Übe Dich täglich in Balance, in der Balance aus Nähe und Distanz.

Dein Leben wünscht sich immer Gleichgewicht. Das ist der Plan.

Bist Du im Gleichgewicht, dann bist Du Meister. Dann hast Du die Dualität erfolgreich flachgelegt.

Na dann mal los. Schauen wir uns Nähe und Distanz mal aus nächster Nähe an.

 

Nähe ist Grundbedürfnis. Du brauchst sie, willst Du überleben und beziehungsfähig sein. 

Distanz benötigst Du für Autonomie. Autonomie ist ebenfalls ein Grundbedürfnis, denn sie sichert Grenzen und Dir ein eigenes Leben.

 

 

Nähe ist überlebenswichtig

Wenn Du als nackter Frischling das grelle Licht der Welt erblickst, gerade abgenabelt,

hilflos, schutzlos, völlig fremd – dann brauchst Du die liebenden Arme Deiner Mutter,

die Dir Wärme spenden, ihre Brust als Nahrungsquelle und ihren Instinkt, der Dich beschützt

und vor Gefahren rettet.

Das Paradies geht weiter. Du bist an sie gebunden oder an einen anderen Menschen,

der Dich adoptiert, aufnimmt, Dich mit Milch und Liebe füttert, bis Du selber überleben kannst. Nähe wird überlebenswichtig. Nähe ist das erste, was Du lernst, das erste, das einen ewigen Stempel hinterlässt. Nähe wird zum „Tatoo Menschlichkeit“. 

 

Nähe kannst Du nicht vergessen. Sie ist als Sehnsucht fest in Dir verankert,

in Deinem pochenden Herz, in Deiner uralten Seele, in Deinem warmen Fleisch und Blut.

Du kannst vor ihr fliehen und suchst sie trotzdem stets.

Du wirst zu ihrem Jäger und oft vergisst Du Dich ihretwegen selbst.

Nähe wird Dein großes Ziel:

Du kämpfst um sie, Du bettelst nach ihr, Du ziehst Dich für sie an und aus.

Du duellierst Dich, machst Dich für sie hübsch, läufst ihr hinterher.

Du schwörst auf sie und verrätst Dich auch für sie. Immer wieder.

Du schreibst und singst für sie, Du lernst, probierst, wächst über alle Maßen,

erduldest quälenden Schmerz. Du tust, was nötig ist, damit sie Dich empfängt,

damit Du Dich noch einmal fühlst – wie im warmen Mutterleib.

 

Nähe suchst Du auf verschiedene Arten: 

In familiärer Bindung 

im Austausch mit Freunden

in den Augen und Armen Deines Geliebten

in geselliger Runde

                           bei Facebook, WhatsApp und Co                            

 

 

Jeder Austausch schafft Nähe. Die Art und Weise, wie Du Nähe in Deiner Kindheit erleben durftest, entscheidet vielleicht darüber, welchen Stellenwert sie heute für Dich hat.

Sie entscheidet darüber, ob Du Selbstwert und Urvertrauen spürst, oder eben nicht.

Sie entscheidet darüber, wie Du Dein Eigelb (Deinen Seelenpartner) ziehen lassen kannst.

Oder ob Du Dich daran klammerst.

Weil Du Nähe suchst, drehst Du Dich um Dein Eigelb, denn mit ihm ist es so viel näher als nah.

Hausgemachte Nähe: paradiesisch, magnetisch, unerreicht.

Der Drang nach Nähe wird schnell zur Qual. Loslassen schwergemacht.

Und doch: Du wirst es lernen, denn der Gegenpol heißt Autonomie.

 

 

Autonomie & Selbstbestimmung

 

Das darfst Du lernen: Distanz. Das musst Du lernen, wenn Du glücklich werden willst,

wenn Du Dich heilen willst, wenn Du wirklich echte Nähe leben willst.

Wenn Du Dich binden willst, musst Du Dich trennen können. So wie Eiweiß und Eigelb,

wenn der Kuchenteig locker und flockig werden soll.

 

Autonomie passiert zum ersten Mal (in vollem Umfang) in Deinem Leben, wenn Du flügge wirst, wenn Du Dich um Dich selber kümmern kannst, wenn Du ohne fremde Hilfe überlebst.

Es richtet sich danach, wie Deine Eltern sind und waren, wie sehr sie Dich bemuttert,

wie früh sie Dich aus dem Nest geworfen haben. Autonomie ist ein Prozess.

Du lernst krabbeln, Du lernst laufen, Du lernst die Welt mit Deinen Sinnen zu erkunden.

Du willst auch etwas ohne fremde Hilfe tun. Du willst eigenständig werden, willst Dich und das Leben kontrollieren, denn was Du selber kannst, das gibt Dir Sicherheit: Selbstsicherheit und Selbstbestimmung.

Selbstsicherheit gibt Sicherheit. Sicherheit führt zu Kontrolle und zu Macht in Deinem Leben. Hast Du Macht, dann hast Du Aufmerksamkeit. Dann bist Du der Macher.

Du lenkst und leitest Dein Leben, wie es Dir beliebt.

 

 

Das Eigelb ist meist ein Autonomiefreak. Es kommt Dir so vor, als hätte es die Macht, sich nach Lust und Laune in die Beziehung einzubringen und sich dann wiederum zurückzuziehen.

Das Eigelb macht scheinbar, was es eben will.

 

Der Autonomie-Abhängigkeit-Konflikt

Da hast Du also das Dilemma.

Autonomie ist Klasse. Abhängigkeit (hier als Synonym für Bindung) ist es irgendwie ja auch.

Der Konflikt beginnt sehr früh, wenn Du das Licht der Welt erblickst.

Du bist abhängig. Du brauchst mindestens eine Person, die sich an Dich bindet, damit Du überleben kannst. Wird Dir diese Bindung freiwillig und freudvoll gewährt, speichert Dein Gehirn das ab: Bindung schafft Geborgenheit. Bindung ist toll.

Du speicherst Bindung als etwas Sicheres, Vertrauenswürdiges.

Das Gegenteil passiert, wenn Du die Bindung an einen Elternteil (oder Pflegeperson) als etwas Unsicheres, Unzuverlässiges erlebt hast. Das führt oft zu einem Vertrauensschaden, der Dich (oder oft Dein Eigelb) vor Bindung warnt.

 

Wenn alles glatt gelaufen ist, bekamst Du von beiden Dingen genug. Urvertrauen hast Du mit der Muttermilch gesoffen, Du verlässt Dich auf Dich selbst, hegst Vertrauen in die Bindung zu anderen. 

Doch meist ist nicht alles glatt gelaufen, denn sonst würdest Du diesen Text jetzt nicht lesen. 

Und so entwickelt jeder Mensch eine Taktik für mehr Sicherheit (im folgenden: Sicherheitstaktik)

um Defizite auszugleichen. 

 

Wenn Du das Eiweiß bist, dann fehlt Dir meist Autonomie.

Pauschal kann man das nicht sagen. Folgende Auflistung resultiert aus meiner Erfahrung als Coach.

 

 

Sicherheitstaktik vom Eigelb

(dem Teil, der wegrennt)

Gründe:

- Bindungsangst, wenig Vertrauen in Nähe

- ein erhöhtes Bedürfnis nach Freiheit und 

   Unabhängigkeit

Taktik:

- Flucht (Rückzug) vor Nähe

- regelmässiger Aufbau von Distanz

- Kontaktabbrüche

- Vermeidung von (tief emotionaler)

  Partnerschaft

 

 

Sicherheitstaktik vom Eiweiß (dem Teil, der festhält)

Gründe:

- Überhöhtes Sicherheitsbedürfnis,

- Angst vor Selbständigkeit 

- Bedürftigkeit

Taktik:

- Festklammern am Partner

- Ständige Kontaktversuche

- der Drang, sich um andere kümmern zu wollen 

- Helfersyndrom

- Bindung um jeden Preis

- um Liebe betteln

 

Konfliktlösung

Wie immer geht es allein um Dich. Fang Dich selber an, räume Dich auf, sortiere Dich neu, erschaffe Dir Rituale. Konfliktlösung ist Training. Leben ist Marathon. Wenn Du Lust hast, dann macht es richtig Spaß. Wenn Du keine Lust hast, dann leg Dir welche zu.

Übe Dich in wahrer Nähe, übe Dich ebenso in Distanz. Das ist der Tanz.

 

Übungen für wahre Nähe

- halte intensiven Augenkontakt zu jedem möglichen Menschen ein paar Sekunden länger aus

- mache fremden Menschen ehrliche Komplimente

- hilf einem Unbekannten (Tür aufhalten, Tasche tragen)

- sprich einen fremden Menschen an und lade ihn auf einen Tee/Kaffe ein

- verabrede Dich mit Übungsbuddies, also mit Menschen, mit denen Du keine Liebesbeziehung 

  willst, mit denen Du trotzdem Nähe teilst.

- halte intensive Momente aus. Bleibe drin. ( keine Dusche oder Zigarette nach dem Sex, kein

  sofortiges Einschlafen)

- gib Kontrolle ab, liefere Dich aus, lass Dich fallen

 

Übungen für Autonomie/ Distanz

- sitze Kontaktsperren aus.

- bleibe bei Dir und mit Dir allein

- heiße Einsamkeit willkommen, übe Dich im Alleinsein

- respektiere Unstimmigkeiten, Streit, Meinungsverschiedenheit

- halte „negative“ Emotionen aus. Fühle, was es zu fühlen gibt. Bleib drin

- widerstehe dem Drang, alles sofort in Ordnung zu bringen

- akzeptiere Chaos, Spannungen, Unsicherheit

- verzichte auf Gespräche mit Freunden, sprich mit Dir allein

 

Questico