TARI TARA TAROT – Autor: Margret Marincolo

Der SCHWERTERRITTER gibt Gas. Vollgas – um genau zu sein. Er reitet dem Sturm entgegen. „Koste es, was es wolle!“, ist seine schnittige Parole, er teilt die Wolken, trotzt dem kühnsten Wind. Er weiß, was er will, er fühlt sich im Recht, die Stimmung ist stark unterkühlt. Er fasst in scharfe Worte, teilt schonungslos aus, steckt nichts ein. Er will nach vorne, der goldene Moment wird ihm zu eng, zu klein.
Visionen, Träume, Ideen: Schnell locken sie mit reichem Lohn, doch sie entpuppen sich nur langsam-kriechend als ein Kuckucksei, eine Seifenblase … Können wir alles haben, alles erreichen, alles sein? Möglich ist es. Doch wie hoch ist der Preis? Wieso will die Taube ein Mustang sein? Und wie wird der Igel zum Hasen? Wie lange brauchen wir, um unseren Geheimcode zu dechiffrieren? Wann erkennen wir unsere einzigartige Essenz? Wann kapiere ich, wer ich wirklich bin?
Eins plus Sieben machen Acht Schwerter für Deinen Tag. Schwerter sind Kopfgeburten, Kinder des luftigen Elements: Gedanken, Ideen, Intellekt, Verstandeskräfte. Die SIEBEN DER SCHWERTER schleicht sich heimlich davon, macht die Fliege, zieht sich aus der Affäre. Sie redet nicht, haut einfach ab. Sie behält für sich, spuckt nicht aus.
Die HERRSCHERIN ist sich ihrer sagenhaften Weiblichkeit bewußt. Sie steht in endlos-satter Blüte, wickelt die Sonne um den kleinen Finger, flirtet Glück zu Boden, taut Männerherzen auf. Sie ist das Weib der Weiber, die Mutter aller Mütter, die reine Seele der Natur. Sie schöpft unaufhörlich aus dem Vollen, spinnt Stroh zu Gold, sät Sterne. Wenn Souveränität und Urvertrauen Tango tanzen, wenn das Leben sich durch Dich zum vollen Ausdruck bringt, wenn Balsam gold aus Deinen Poren fließt...
Die Gerechtigkeit trägt Rot. Purpur, um genau zu sein: Führerschaft und weise Macht will sie Dir längst schon schenken, Besonnenheit – Dein Leben ganz bewußt zu lenken, Gleichgewicht zwischen hellem Tag und rabenschwarzer Nacht. Sie ist so viel mehr, als die strenge Autorität, die an Dich appelliert und die auch richtet. Sie lädt Dich ein, ist Gastgeberin für den meisterhaften Tanz durchs Leben.
Ein Schwerterkreuz vor zarter Brust, die Schlafmaske vor jedem Auge, Oropax in allen Gängen vom Gehör, bewegte Gewässer im Rücken, der Sichelmond auf seinem Posten: die ZWEI DER SCHWERTER spielt mal wieder blinde Kuh. Sie hat sich ausgesperrt vom Leben, sie will nichts fühlen, will nichts hören, will nichts sehen. Sie zieht sich zurück, aus Ignoranz, aus Abwehr, aus Angst vor blindem Schmerz?
ZEHN KELCHE – gefüllt mit frohlockendem Gefühl. Der Lust- und Launeregen biegt sich krumm. Ein liebendes Pärchen umarmt feierlich das Leben, zwei Kinder tanzen, die Schöpfung lächelt froh. Der Plan erfüllt sich, der Kreis ist endlich rund. Es war nicht immer so. Der unwegbare Weg war lang, der Preis war hoch, Du bist ihn unbeirrt gegangen. Deine Feuer waren heiß, Du hast auch raue Winterstarre angenommen.
Sprühen – Glühen – Blühen. Das AS DER STÄBE sendet Lust auf allen Kanälen. Eines Phallus gleich – ragt es aus himmlischer Nimbuspfote. Am Firmament grüßt fern die Gipfelspitze. Welche Höhen willst Du gern erklimmen? Ideen und Lust sind endlich von der Leine.
Der GEHÄNGTE hat gut leuchten. Dem geht ein Licht auf. Ihm laufen nicht nur alle Körperchen vom Blut, sondern auch Glühwürmchen in den blonden Schädel. Nein, dumm und blauäugig ist er wirklich nicht, er ist ziemlich helle in der Birne. Und nun kann es jeder sehen. Eine Zeitlang ging überhaupt nichts mehr, er zappelte ungesund durchs Leben. Blutleer waren Herz und harte Rübe, sein Blick verschleiert, seine Ohren taub. Immer nur Sackgasse ging ihm auf den Sack.
Der BUBE DER MÜNZEN gibt sich momententzückt die Ehre, bringt goldgelbe Chancen – zum Greifen nah. Jung und fröhlich ist sein Naturell, er tut ein bißchen selbstverliebt. Grün sind Bäume, Wiese und sein Kleid. Na? Bist Du für etwas Neues schon bereit?

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